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Aufmerksamkeit

Wie im Kapitel “Lernen und Erinnern” bereits erwähnt, ist die zentrale Kontrolle des Arbeitsgedächtnisses an der Aufmerksamkeitssteuerung und damit an allen komplexeren Aufmerksamkeitsformen beteiligt.

Die untenstehende Abbildung gibt einen Überblick über verschiedene Komponenten der Aufmerksamkeit, wobei die jeweils niedrigere Form der Aufmerksamkeit eine notwendige Bedingung für die nächsthöhere Stufe darstellt.

Grundvoraussetzung für jegliche Aufmerksamkeitsleistung ist eine gewisse Grundaktiviertheit des kognitiven Systems: Hierbei unterscheidet man zwischen allgemeiner Wachheit, als Grundvoraussetzung für die bewußte Wahrnehmung von Stimuli (=Vigilanz, Bsp: Sie stehen an einer belebten Straße, die Sie überqueren wollen und nehmen andere Passanten und vorbeifahrende Fahrzeuge wahr), sowie der Fähigkeit, sich mit spezifischen, für den Organismus im Augenblick relevanten Reizen zu beschäftigen (=Arousal, Bsp.: Sie werden von einem hinter Ihnen stehenden Passanten mit Ihrem Namen angesprochen).

Gerichtete Aufmerksamkeit meint die Fähigkeit, sich auf eine bestimmte Aufgabe, oder einen bestimmten Stimulus zu konzentrieren und sich dabei nicht ablenken zu lassen (Bsp.: Sie nehmen eine Verkehrszählung vor und müssen über den Zeitraum von einer Stunde alle von links kommenden PKW erfassen, und alle anderen Fahrzeuge jedoch ignorieren).

Geteilte Aufmerksamkeit meint die Konzentration auf mehrere (mindestens zwei) Reizquellen gleichzeitig.

Vigilanz und Alertness sind Grundvoraussetzung für die aktive Teilnahme am täglichen Leben und somit auch notwendig, um die einzelnen Übungen in X-Cog zu bearbeiten.

Die „einfachste“ die Aufmerksamkeit betreffende Übung ist Regenmacher: Hier ist gerichtete Aufmerksamkeit auf eine spezifische Reizkombination gefordert (Kometen mit zwei roten Punkten). Dieser Zielreiz bleibt während der gesamten Übung unverändert und die geforderte Reaktion ist die einfachste, die in einem Computerspiel überhaupt möglich ist: Das Drücken einer einzelnen Taste. Ebenfalls gerichtete Aufmerksamkeit ist bei der Übung Kometensturm im Spiel: Hier ist ebenfalls jeweils nur auf einen bestimmten Zielreiz zu achten (Komet einer bestimmten Farbe), allerdings wechselt dieser Zielreiz, da eine ganze Serie von Zielreizen (ein spezifisches „Kometenrezept“) zu bearbeiten ist. Die jeweilige Position in der vorgegeben Serie muss dabei im (Arbeits-)gedächtnis behalten werden. Die Reaktion umfaßt eine komplexe visuomotorische Leistung, da der vorbeifliegende Komet anvisiert und per Energiestoß zersetzt werden muss, ohne versehentlich einen anderen Kometen zu erwischen.

Den ersten Schritt hin zu einer geteilten Aufmerksamkeitsaufgabe leistet Fruchtpresse ab der Schwierigkeitsstufe „Könner“. Hier müssen nicht nur die jeweils aktuell fallenden Kometen farblich korrekt sortiert werden (wechselnde Zielreize, 2 Reaktionsmöglichkeiten, Zielreaktion wechselt gemäß der Farbkombinationen der augenblicklich sortierten Kometenstapel), sondern zusätzlich muss auf spezielle Kometen anders reagiert werden (keine Sortierung per Pfeiltasten, sondern Zerstörung per Leertaste im Fallen).

Am Beginn dieses Kapitels haben wir davon gesprochen, dass nicht alle Aufgaben bewußte Aufmerksamkeit erfordern. Manche Anforderungen laufen nach einiger Zeit völlig automatisch ab (z.B. Autofahren, s.o.). Wäre es nun nicht interessant, eine Übung zu haben, in der diese automatischen Aufmerksamkeitsprozesse der gerichteten Aufmerksamkeitaufgabe zuwiderlaufen würden ? Nun, bei Blubb handelt es sich um eine solche Aufgabe: Farbige Fische müssen mit farbigem Futter gefüttert werden. Allerdings ist die automatisch ablaufende Reaktion (gelbe Fische bekommen gelbes Futter, blaue Fische bekommen blaues etc.) falsch und muss bewußt unterdrückt werden. Statt dessen muss auf ein anderes schwerer zu erkennendes Merkmal der Fischlein geachtet werden (ihre Stimmungslage) um die richtige Futterfarbe zu bestimmen.

Eieralarm stellt eine klassische Aufgabe zur geteilten Aufmerksamkeit dar: Man muss einerseits auf die fallenden Eier achten, um rechtzeitig den passenden Wurmmund zu öffnen und andererseits kurzfristig entscheiden, ob die Farbe des fallenden Eies so beschaffen ist, dass der Wurm das Ei durchlassen soll oder nicht.

Paketdienst treibt die Angelegenheit mit der geteilten Aufmerksamkeit auf die Spitze: Nicht nur, dass (ab der Schwierigkeitsstufe „Könner“) auf zwei Dinge gleichzeitig geachtet werden muss („Woher kommen die Pakete ?“ und „ist irgendein Rohrstück defekt ?“). Man steht auch noch vor der Aufgabe, zwei komplexe Aufgaben parallel abzuarbeiten (Auswahl und Einführen der Reparaturpakete bei gleichzeitiger Steuerung der Paketweiche). Selbst Probanden mit Spitzenwerten in psychologischen Aufmerksamkeitstests kommen bei dieser Übung in den höheren Schwierigkeitsstufen zunächst an ihre Grenzen.

Eine Sonderstellung nimmt die Aufgabe Hochzeitsfahrt ein: Hierbei handelt es sich um einen speziellen, bei Neuropsychologen recht beliebten, Aufgabentyp: Einen sogenannten n-back-Task. Einfacher ausgedrückt: Es muss in einer Serie von aufeinanderfolgenden Reizen nicht auf den aktuellen, sondern auf den „n-letzten“ reagiert werden. Ein Beispiel: Sie sehen auf dem Bildschirm Zahlen von 1 bis 3. Ihre Aufgabe ist es, jeweils die richtige Zahlentaste zu drücken. Die richtige Zahlentaste ist diejenige, die der vorletzten präsentierten Zahl entspricht (dies wäre deshalb ein 2-back-Task). Wenn folglich nacheinander die Zahlen 1-3-1-2-3-3-1-2-1 erscheinen würden, hätten jeweils Sie mit .-.-1-3-1-2-3-3-1 zu reagieren.

In der BOB-Welt entsprechen die Zahlen nun verschiedenen Anlegepositionen einen Fluß hinabfahrender Prinzessinnen. Diese Positionen muss man sich merken, da die Frauen das letzte Stück vor dem Anlegesteg nicht mehr zu sehen sind, weil sie unter einer Brücke hindurchfahren. Daher muss zunächst auf zwei Dinge gleichzeitig geachtet werden („auf welcher Höhe fährt die letzte Prinzessin von der Brücke ?“ und „auf welcher Höhe kommt die nächste Prinzessin am Steg an ?“). Gleichzeitig müssen die Positionen der nicht sichtbaren Prinzessinnen ständig im Geist (genauer: im visuell-räumlichen oder im verbalen Arbeitsspeicher) „um eine Position nach vorne“ verschoben werden.